
Jesse Royal – No Place Like Home
Easy Star Records
Text: Jürgen Schickinger
Eine von sieben Personen in Deutschland gibt an, ”life changing sex” gehabt zu haben – Sex, der das Leben völlig umgekrempelt hat. Auch Jesse Royal weiß, ”ein einziger Augenblick kann alles ändern!” Ekstatisch war der bei ihm aber nicht, sondern schmerzhaft: ein schwerer Verkehrsunfall. Nach dem ersten Schock setzte Jesse die Freude, überlebt zu haben, als positiven Impuls um und veröffentlichte eine Woche später ”No Place Like Home”. An dem Album hatte er nach eigener Aussage eh schon zu lange herumgedoktert. Des einen Leid… Definitiv ein Anlass zur Freude ist das Release mit zehn Tracks, von denen Jesse die Hälfte alleine meistert.
Zwei der fünf Kooperationen – ”Hope” mit Romain Virgo und ”Blessing” mit Yohan Marley – sind schon länger draußen. Im neuen, militanten ”Jungle Justice” malen sich Jesse und Kabaka Pyramid drastische Strafen für Pädokriminelle und Frauenmörder aus: in Benzin tränken, anzünden und den Hügel hinunterrollen! Sanfter rollt das sehr eingängige, aber nicht sülzige ”Too Late”. Hier diskutiert Jesse mit Melanie Fiona über eine gescheiterte Beziehung, bevor er ganz am Ende mit Perfect Giddimani im wunderbar lässigen ”Kinda Like Me” erklärt: Ein bisschen (Selbst-)Zufriedenheit macht vieles leichter. Ohne Gaststimme überzeugt Jesse bei dem starken Einstieg ”Trod On”, an den sich das melodiösere ”Art of Love” prima anschließt – ”Trod Rastafari Way!” Im rhythmischen Herz des schönen Albums pocht irgendwie stets Reggae, den Jesse jedoch erfrischend in viele Richtungen wie Hiphop, Trap, Latin, Afrobeats und Pop spreizt. ”No Place Like Home” groovt voll im Puls der Zeit und hat seine Nominierung für den Grammy – Jesse Royals zweite – fraglos verdient.
