
Valiant – Prove Them Wrong
EPIC Records
Text: Davide Bortot
Prove Them Wrong? Hat der Mann wirklich noch etwas zu beweisen? Seine erste große Hype-Saison 2022 hat Valiant längst überlebt; nach wie vor liefert er verlässlich ab wie die Glock, die er in einem seiner Songs demonstrativ am Gürtel trug. Und er kann mehr als markige Sprüche und den Max markieren. Sich augenzwinkernd als zwar nicht normschöner, aber dennoch heiß begehrter Stenz inszenieren zum Beispiel (”Ugly”). Den fettesten Tune auf den fettesten Dancehall-Riddim der letzten Jahre klatschen (”Mad Out”). Absurden Schweinkram so unschuldig dahinsäuseln, dass es beinahe romantisch klingt (”Bubble Gum”). Und, das wird in der auf Klatsch und Kontroversen geiernden Dancehall-Bubble ja gerne mal vergessen, richtig gut singen (”Whole Lotta”).
All diese Ausnahme-Tunes sind nun auf Valiants erstem Major-Projekt zu hören: eine Art Best-Of der vergangenen 18 Monate – mit diversen neuen Tunes, die in dieser Reihe gut aufgehoben sind. Zum Beispiel gibt es eine komplett überdrehte Combination mit Tommy Lee Sparta aus der Hitfabrik von Valiants langjährigem Vertrauensmann DJ MAC. Wie hier nach fast einer Minute erstmals die Drums reinklickern und Tommy wilde Drohungen zwischen Valis clevere Badman-Reime grölt, ist großes Trap-Dancehall-Kino aus dem ewig beliebten Grusel-Genre.
Ansonsten ist auf dieser Mini-LP-Schrägstrich-Maxi-EP eine Hinwendung zum R&B zu beobachten. Vielleicht ist das ja die Beweisführung, die Valiant hier antreten will. Dass ich mit jedem Deejay der Geschichte Zeile für Zeile gehen kann – eh klar. Aber guckt, ich kann Harmonien, ich habe Tiefe, ich mache Musik! Der andere Gastauftritt des Projekts (der Titeltrack mit 450 ist aus mir nicht bekannten Gründen von den Streaming-Plattformen entfernt worden) kommt folgerichtig von Fridayy, einem US-Sänger mit haitischen Wurzeln und Grundausbildung im Kirchenchor. Dessen stets etwas entrückter Ghetto-Gospel passt perfekt zu Valiants lockerem Singsang, der bei aller lyrischen Finesse und melodischen Vielfalt immer spielend leicht und im besten Sinn hingedribbelt wirkt.
Produziert wurde der Song von Kvrim, einem in New York lebenden Briten, der neben MAC (und seinen Helfershelfern) der prägende Producer des Projekts ist. Seine sehr vollen Riddims und ambitionierten Arrangements stehen Valiant hervorragend und zeigen neue Seiten: Songs wie die Herzschmerzschnulze ”Selfish” oder das Streetlife-Gebet ”Fallen Soldiers” hat man so von ihm noch nie gehört. Vor allem aber haben diese Songs nichts von den konstruierten Crossover-Bemühungen vergleichbarer Großprojekte für einen diffusen ”internationalen Markt”. Sie kommen ganz natürlich und einfach gut. Eigentlich fehlt nur noch ein echter globaler Smash, und Valiant ist endgültig in der Liga, in der Barclay Centers gefüllt werden.
