
Im letzten Jahr glaubte man bei seinen Konzerten noch an eine einmalige Gelegenheit. Inzwischen steht fest, dass eine der letzten lebenden Reggae-Ikonen zurückgekommen ist, um zu bleiben – jedenfalls so lange es seine Gesundheit erlaubt. Und seinen Auftritten nach zu urteilen, ist er topfit und bei bester Stimmung. Beides prägt auch sein erstes Album seit über 15 Jahren. David Katz hat mit dem sonst so wortkargen und launischen Burning Spear über ”No Destroyer”, einige Höhepunkte seiner Karriere und seine Pläne für die Zukunft gesprochen.
Text: David Katz /// Fotos: Lee Abel
Dieser Artikel wurde erstmals im September 2023 veröffentlicht (RIDDIM 04/2023).
Am anderen Ende der transatlantischen Leitung beginnt Burning Spear das Interview mit einem gesungenen Gebet, in dem er mit zitterndem Vibrato Rastafari preist. Er geht eine Oktave höher, um Marcus Garvey zu verteidigen, den jamaikanischen Nationalhelden der Schwarzen Selbstbestimmung, den er nach wie vor verehrt: ”Marcus Garvey wurde so oft falsch beschuldigt. Wir müssen seinen Namen reinwaschen, ihn rehabilitieren und befreien… befreien… befreien…”
Spear zeigt sich ungewöhnlich gut gelaunt und entspannt. Er hatte sich vor etlichen Jahren weitgehend aus der Reggae-Sphäre zurückgezogen, tauchte nur ganz selten für eine Handvoll Konzerte in den USA aus der Versenkung auf oder meldete sich mit selbstzerstörerischen Posts in den sozialen Netzwerken zu Wort, in denen er so ziemlich jeden attackierte, mit dem er je zusammengearbeitet hatte. Dann überraschte er das europäische Publikum im letzten Sommer mit einigen aufsehen- erregenden Auftritten, den ersten seit sechs Jahren, bei denen er sich trotz seines fortgeschrittenen Alters in Topform präsentierte. Und während er sich darauf vorbereitete, das Gleiche in diesem Jahr zu wiederholen, kündigte er das langerwartete erste Album seit über 15 Jahren an – ”No Destroyer”!
”Es macht keinen Sinn, irgendetwas zu überstürzen”, sagt Spear über den neuen Longplayer. ”Die Zeit muss reif dafür sein. Obwohl sie für die Menschen, die mich unterstützen, wahrscheinlich immer reif ist, sie sind jederzeit bereit für neue Musik von Burning Spear.”
”No Destroyer” bildet einen weiteren Höhepunkt im unglaublichen Katalog von Burning Spear, der mindestens 22 Studioalben umfasst, die vielen Compilations und ”Living Dub”-Volumes gar nicht mitgezählt. Persönliche Aussagen treffen auf Beschwörungen der Menschheit, es besser zu machen, Lobgesänge an die Kraft von Reggae und Verortungen der eigenen Karriere. Alles dargeboten in höchster Qualität und mit bestem musikalischen Handwerk, inklusive einer vielseitigen Bläsersektion, bluesiger Gitarrenbegleitung und unaufdringlichen Harmoniegesängen als subtile Verstärkung von Spears kraftvollen Chants. Der Sound ist durch und durch zeitgenössisch, er baut auf Klassiker der Vergangenheit auf, ohne je retro sein zu wollen.
Der Opener ”The Spear” gibt den Ton vor mit einer kurzen Einordnung dessen, wofür Spear steht. Als Verteidiger von Frieden und Liebe und Aushängeschild von Reggae nimmt er sich die nötige Zeit, seine Message nach bestem Gewissen auszubreiten. Im Titeltrack stellt er klar, dass es ihm längst nicht mehr um Fame geht, sondern darum, jegliche negativen ”Zerstörer” symbolisch zu bekämpfen, die versuchen, seine Erfolge zunichte zu machen. In ”Independent” stellt Spear klar, dass er immer zum Beat seiner eigenen Trommel marschiert ist und auch künftig allen Versuchen trotzen wird, ihn aufzuhalten. Zwar bekommen Industriehaie auch in ”Talk”, ”No Fool” und ”The Think” ihr Fett weg. Doch hält das Album vor allem die positiven Seiten von Reggae hoch. Im flotten ”Open The Gate” dankt Spear neben Bob Marley, Alton Ellis, Culture, Dennis Brown und anderen Pionieren auch Chris Blackwell von Island Records und Clement Dodd von Studio One dafür, dass sie die Musik der Welt nahegebracht haben. Während er in ”Jamaica” auf die beständigen Qualitäten von Roots Reggae pocht, erweist er in ”Obsession” zu einem Riddim, der sich auch gut auf einem Steel Pulse-Album machen würde, den verschiedenen Rasta- Häusern seine Ehre. Allgemeingültiger wird das Album, wenn Spear in dem optimistischen ”Cure For Cancer” einen medizinischen Durchbruch beschwört oder in ”Mommy”, der bereits vor zwei Jahren erschienenen Single, den Kampf von Familien im Angesicht massiver materieller Nöte beschreibt – für Spear einer der relevantesten Songs des Albums.
”Das Stück schildert genau die Sorgen von Familien nach der Pandemie. Dabei ist es schon lange vorher entstanden. Ich sage darin, dass nichts mehr sein wird wie früher, genauso wie es nach Corona gekommen ist, als Tausende nicht mehr zurück in ihren Job konnten. Es ist die Geschichte zweier Eltern, die ihren Kindern erklären, dass Daddy versucht, eine Beschäftigung zu finden, während Mommy zuhause sitzt und darauf hofft, dass er etwas zu Essen mitbringt, damit sie ihr altes Leben wieder aufnehmen und sich besser um die Kleinen kümmern können.”

Mit 78 Jahren gilt Burning Spear als eine der letzten leben- den Reggae-Ikonen, und man wundert sich, dass sein Tenor über die Jahre kaum gelitten hat. Nachdem er 1969 maßgeblich mitgeholfen hatte, bei Studio One Roots Reggae anzuschieben, erlangte er Mitte der 1970er internationalen Erfolg mit einer Serie starker Alben, die bis heute zu den größten des Genres zählen. Mit überzeugenden Veröffentlichungen und gelegentlichen Touren, die von Marathon-Auftritten geprägt waren, konnte er seine herausragende Position lange halten.
Geboren 1945 als Winston Rodney in St. Ann’s Bay, einem größeren Fischerort an Jamaikas Nordküste und Hauptstadt des Parish St. Ann, wuchs Burning Spear mit vier Brüdern und acht Schwestern auf. ”Wir waren eine große Familie, ich war der zweitjüngste. Zuhause ging es zu wie bei den meisten anderen Familien. Meine Mutter war Köchin, mein Vater Bauarbeiter. Meine Eltern gingen zweimal die Woche in eine Pfingstkirche, ich musste immer mit, daran führte kein Weg vorbei.” Bevor Musik sein Bewusstsein einnahm, interessierte sich der junge Winston in der Schule vor allem für Sport. ”Ich hatte eine glückliche Kindheit, spielte am liebsten Fußball, ging schwimmen oder machte Leichtathletik. Damals dachte ich noch gar nicht an Musik. Das änderte sich erst, als ich anfing, mir Artists anzuhören, die schon viel früher mit Musik angefangen hatten als ich.”
”ICH HÖRTE SIE MIR ALLE AN, DIE RICHTIGEN HARDCORE-ARTISTS. MIT DER LIEBLICHEREN VARIANTE VON REGGAE KONNTE ICH NICHT SO VIEL ANFANGEN. EINER DER WICHTIGSTEN ARTISTS, DIE ICH HÖRTE, WAR BOB. ICH KANNTE ALL SEINE SONGS.”
Curtis Mayfield und James Brown gehörten zu den US-Stars, von denen er sich inspiriert fühlte. Doch es waren vor allem jamaikanische Artists, die ihn beeinflussten, als das jamaikanische Musikgeschäft gerade erst anfing, Form anzunehmen.
”Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre begann ich, die Musik zu fühlen, Mento, Ska, Rocksteady – all die Genres, aus denen sich später Reggae entwickelt hat. Es gab so viele Musiker in Jamaika, Leute wie der große Posaunist Don Drummond, der Gitarrist Ernest Ranglin… Dann all die großen Sänger, die Heptones, Larry Marshall, Peter Tosh, Alton Ellis… All diese Bredrin kamen vor mir. Ich hörte sie mir alle an, die richtigen Hardcore-Artists. Mit der lieblicheren Variante von Reggae konnte ich nicht so viel anfangen. Einer der wichtigsten Artists, die ich hörte, war Bob. Ich kannte all seine Songs!”
Als Winston Rodney älter wurde, übernahm er diverse schlecht bezahlte Jobs, um über die Runden zu kommen. Gleichzeitig suchte er das Gespräch mit älteren Leuten, die ihm von Garvey, seinen Visionen und Kampagnen für ein besseres Leben Schwarzer Menschen erzählen konnten. Sein spirituelles Erwachen, das ihn in eine andere Richtung stieß, erlebte er durch ein mystisches Wunder an einem örtlichen Strand von St. Ann‘s Bay.
”Ich hatte alles mögliche gemacht, hatte in einer Reinigung gearbeitet, Autos gewaschen, Fliesen verlegt… Doch dann geschah, was Jah sich für mich gewünscht hatte – dass ich Musiker bzw. Artist werde. Ich war am Key Largo Beach, ganz in der Nähe der Jail Lane, in der Marcus Garvey gelebt hatte. Dort hat für mich alles begonnen: I‑Man erkannte dort meine Wurzeln, meine Kultur, meine Geschichte. Ich sah, wo ich, wo meine Vorfahren, wo der Vater meines Urgroßvaters ursprünglich herkamen. Das war der Moment, in dem ich mich zum ersten Mal zu Rastafari bekannt und mir fortan Dreadlocks wachsen lassen habe. Diese Erkenntnis verdanke ich meiner Energie. Denn man muss offen sein für solche Dinge. Ich saß also am Strand, als mir diese Lyrics in den Sinn kamen – keine Ahnung, wo die plötzlich herkamen, es war wie eine Eingebung. Und wenig später kamen Melodien dazu, die ich anfing zu singen. Das ist nichts, wonach man suchen kann. Aber wenn sie kommen, muss man sie annehmen und akzeptieren.”
”ICH SASS AM STRAND, ALS MIR DIESE LYRICS WIE EINE EINGEBUNG IN DEN SINN KAMEN. UND WENIG SPÄTER KAMEN MELODIEN DAZU, DIE ICH ANFING ZU SINGEN. DAS IST NICHTS, WONACH MAN SUCHEN KANN. ABER WENN SIE KOMMEN, MUSS MAN SIE ANNEHMEN UND AKZEPTIEREN.”
Während dieser Übergangsphase trampte Rodney gelegentlich in die Hauptstadt, um dort mit Rasta-Bredren in Back-O-Wall, einem später dem Erdboden gleichgemachten West-Kingstoner Slum, zu diskutieren, was schließlich zu seinem unverwechselbaren Bühnennamen führte.
”Ich ging oft in diesen Laden an der Industrial Terrace, einer Seitenstraße der Spanish Town Road, wo man etwas zu Rauchen und ein Bier bekam. Dort hingen immer die gleichen Typen ab. GG liebte es, auf seiner Gitarre zu spielen. Ein anderer, Nyah, hatte viel über afrikanische Geschichte gelesen und fragte mich einmal, ob ich schon mal von Jomo Kenyatta gehört hatte. Er erzählte mir von dem ersten Präsidenten von Kenia, den sie auch Burning Spear nannten, und meinte, er sei genau der richtige, um sich als Artist auf ihn zu beziehen.”
Wie in der Single ”As It Is” vom 1999er Album ”Calling Rastafari” besungen, war es Bob Marley, der ihn zu Studio One lotste. Spear und einige Freunde waren unterwegs im tiefsten St. Ann, nicht weit von Marleys Geburtsort Nine Mile, auf der Suche nach gutem Gras und Lebensmitteln, die sie zurück nach St. Ann’s Bay nehmen wollten. ”Damals wurde in dieser Gegend das meiste Gras angebaut. Also gingen wir dorthin, um gutes Zeug zu besorgen. Und wo wir schon mal da waren, brachten wir auch Kokosöl und andere Dinge mit, die man in der Stadt nicht so leicht bekommen konnte. Plötzlich sah ich, wie Bob auf einem Esel die Straße entlang geritten kam. Er war auf dem Weg zu seiner Farm, wo er sein eigenes Gemüse anbaute. Und wie das unter Rastas üblich ist, blieb er stehen und fing ein Gespräch mit mir an. Ich fragte ihn, wie man am besten einen Fuß ins Musikgeschäft bekommt und er fragte, ob ich schon mal von Studio One gehört hatte.”
Daraufhin machte sich Winston Rodney auf den Weg zu dem legendären Studio des Sound System-Betreibers Clement Dodd auf der Brentford Road – im Schlepptau Rupert Willington, der gelegentlich bei Auftritten in St. Ann’s Bay Harmonien für ihn sang. Die jamaikanischen Charts waren damals voll mit Orgel-lastigen Tanz-Tunes und unverfänglichen Liebesballaden. Doch die Songs, die Spear bei Studio One vorspielte, waren erschreckend anders, unheilverkündend, eindringlich, schwergewichtig. Die ungewöhnlichen Phrasierungen biblischer Lyrics in breitestem Patois warnten vor fragwürdigen Informern und ermahnten die Rasta-Gläubigen, gemeinsam Babylon niederzuchanten.
”PLÖTZLICH SAH ICH, WIE BOB AUF EINEM ESEL DIE STRASSE ENTLANG GERITTEN KAM. UND WIE DAS UNTER RASTAS ÜBLICH IST, BLIEB ER STEHEN UND FING EIN GESPRÄCH MIT MIR AN. ER FRAGTE MICH, OB ICH SCHON MAL VON STUDIO ONE GEHÖRT HATTE.”
”Es war aufregend, als ich in die Stadt kam. Doch ich ließ mich nicht davon aus der Ruhe bringen, ich wollte einfach nur ins Studio, um mich musikalisch auszudrücken und raus- zulassen, was schon so lange in I‑Man steckte. Als ich bei Studio One ankam, sagte ich zu Mister Dodd, dass Bob mich geschickt habe, woraufhin Mister Dodd meinte, ich solle ihm etwas vorsingen. Der erste Song, der aus mir herauskam, war ‚Door Peeper‘, und Mister Dodd war happy. Sowas hatte er noch nie gehört.”
Rodney nahm bei Studio One die Alben ”Rocking Time” und ”Presenting Burning Spear” mit dem andächtigen Hit ”He Prayed” (aka ”Joe Frazier”) auf. ”Darin singe ich darüber, dass Jah für uns gebetet hat, bis sich sein Schweiß in Blut verwandelte. Ich habe nichts mit Hautfarben, Nationalität oder Religion am Hut. Ich sage, geehrt sei Jah, der Schöpfer. Wir danken dem Universum, der Natur.”
Doch wie viele seiner Zeitgenossen war Burning Spear unzufrieden mit der Zahlungsmoral bei Studio One, räumt aber ein, dort viel gelernt zu haben. ”Als ich den Heptones und Delroy Wilson bei ihren Aufnahmen zusah, verstand ich, wie die Dinge laufen. Ich machte mir Gedanken und begann, meine Songs selbst zu arrangieren. Doch finanziell brachte mich die Zeit bei Studio One nicht weiter. Mister Dodd behielt alle Ein- nahmen für sich. Studio One war wie zur Schule zu gehen: Nach dem Abschluss zieht man weiter.”

Der Bruch mit Studio One fiel zufällig mit dem Plan des Sound System-Betreibers Jack Ruby zusammen, sich der Plattenproduktion zu widmen. Ruby stammte aus Greenwich Farm in West-Kingston, lebte inzwischen aber unweit von St. Ann’s Bay in Ocho Rios. Nachdem er Burning Spears Musik lange mit seinem Sound System gepusht hatte, überzeugte Ruby Rodney, für ihn aufzunehmen.
”Es gab ein Vorsingen im Federal Theatre in St. Ann’s Bay. Also ging ich hin und sang über Marcus Garvey und die Sklavenzeit. Doch ich wurde abgelehnt. Dann tauchte Jack Ruby am Strand auf, er habe gehört, ich hätte zwei gute Songs, ‚Marcus Garvey‘ und ‚Slavery Days‘, die er gerne mit mir aufnehmen würde. Wir verhandelten hin und her und entschieden, es zusammen zu versuchen.”
Das Ergebnis, ”Marcus Garvey”, entstanden mit den Background-Sängern Delroy Hines, ebenfalls aus St. Ann’s Bay, und Rupert Willington, ist ein Meilenstein, der neben Oden an den jamaikanischen Nationalhelden auch ungeschönte Beschreibungen der Sklaverei und den postkolonialen Nachwirkungen enthält, Songs wie ”Slavery Days”, ”The Invasion”, ”Give Me” und ”Tradition”. Burning Spear wurde zum beliebtesten Artist der Insel. Die Veröffentlichung des Albums im Ausland durch Island Records vervielfachte sein Publikum.
Jack Ruby produzierte auch das Nachfolgealbum ”Man In The Hills”, ehe die beiden getrennte Wege gingen. Obwohl Spear seine nächsten Alben selbst produzierte, spricht er bis heute nur gut über Ruby. ”Jack war ein guter Produzent, er liebte Musik. Wenn er etwas in einem jungen Musiker sah, unterstützte er ihn. Wir sind immer gut miteinander klargekommen und haben zwei starke Alben zusammen gemacht. Danach habe ich unabhängig gearbeitet.”
”ES WAR MIR WICHTIG ALS ALTER TYP, MICH VOR CORONA ZU SCHÜTZEN. DIE KRITIK WAR MIR EGAL, ICH WEISS VON VIELEN, DIE SICH IMPFEN LASSEN HABEN, ABER AUS ANGST VOR DEN REAKTIONEN DAMIT HINTERM BERG HIELTEN. ICH BIN GESUND – WAS WOLLEN DIE KRITIKER ALSO VON MIR?”
Neben Rasta-orientierten Scorchern wie ”Lion” und den jazzigen Scat-Vocals von ”No More War”, das sich gegen die politisch verbandelten Straßengangs von Jamaika richtete, bot ”Man In The Hills” Spear die Gelegenheit, neue Versionen von Songs einzuspielen, für die er bei Studio One nicht angemessen entlohnt wurde. Diesmal entstanden die Auf- nahmen in dem besser ausgerüsteten Harry J‘s Studio, wo die feurigen, von Trompeter Bobby Ellis meisterhaft arrangierten Bläser genauso in all ihrer klanglichen Pracht zur Geltung kamen wie sich die wilden Drumrolls und akzentuierten Rimshots eng mit Robbie Shakespeares grollendem Bass verbanden. Der Mix aus Altem und Neuem prägte auch ”Dry And Heavy” von 1977, als Willington und Hines bereits wie- der ausgestiegen waren. Die Live-Stärke von Burning Spear ist auf ”Live At The Rainbow” nachzuhören, für das Island Records Burning Spear mit Aswad zusammengebracht hatte.
”Meine erste England-Tour war sehr erfolgreich, auch für Aswad” Die englische Band hatte daraufhin einen Gastauftritt auf ”Social Living”, dem letzten Album für Island, ehe Burning Spear zu EMI wechselte, wo er Anfang der 1980er ”Hail HIM”, ”Farover” und ”Fittest Of The Fittest” veröffentlichte. Den größten Teil seiner Songs nahm er weiterhin in Jamaika auf. Doch als er seine Platten auf kleinen unabhängigen Labels wie Slash oder Heartbeat herausbrachte, hatte er seinen Wohnsitz nach Queens, New York verlegt. ”Die USA sind, wenn es um Musik geht, der richtige Ort. Hier ist einfach mehr möglich als in Jamaika, von wo aus man kaum Platten verkaufen kann. Wer soll dort für die nötige Promotion sorgen? Wie viele Menschen kann man von dort aus erreichen? Als Geschäftsmann muss man sich überlegen, von wo aus man sein Geschäft am erfolgreichsten führen kann.”
Neben der Verleihung des Order of Distinction für seinen Beitrag zur Musik Jamaikas gehörten die Auftritte in Südafrika und Kenia in den Nullerjahren zu den Höhepunkten seiner späten Karriere, erlaubten sie es ihm doch, sich mit seinem afrikanischen Erbe zu verbinden. In Jamaika engagierte er sich durch die Finanzierung einer Schule und eines Krankenhauses in St. Ann’s Bay. Als zu Anfang der Pandemie Verschwörungstheorien und Fake News ins Kraut schossen und diverse angesehene Reggae-Artists mit Anti-Impf-Statements von sich Reden machten, bewies Burning Spear Weisheit, Courage und Weitsicht, als er seine zweifache Impfung öffentlich machte. ”Es war mir wichtig als alter Typ, mich vor dem Virus zu schützen. Die Kritik war mir egal, ich weiß von vielen, die sich impfen lassen haben, aber aus Angst vor den Reaktionen damit hinterm Berg hielten. Ich bin gesund – was wollen die Kritiker also von mir?”
Kurz vor Ende des Interviews ist es Burning Spear wichtig zu betonen, dass neben ”No Destroyer” auch eine neue Folge der ”Living Dub”-Serie sowie neue Songs über Marcus Garvey anstehen. Er betrachte seine Arbeit als Berufung und werde sie so lange fortsetzen, wie es seine Gesundheit erlaubt. ”Ich bin stolz auf alles, was ich gemacht habe. Meine Arbeit ist ein Geschenk des Allmächtigen, das ich dankbar annehme.”
”No Destroyer” ist in allen Formaten bei Burning Music erschienen.





