Burning Spear – Im Beat der eigenen Trommel


    Dieser Artikel wurde erst­mals im Sep­tem­ber 2023 veröf­fentlicht (RIDDIM 04/2023).

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    ”Es macht keinen Sinn, irgen­det­was zu über­stürzen”, sagt Spear über den neuen Long­play­er. ”Die Zeit muss reif dafür sein. Obwohl sie für die Men­schen, die mich unter­stützen, wahrschein­lich immer reif ist, sie sind jed­erzeit bere­it für neue Musik von Burn­ing Spear.”

    ”Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre begann ich, die Musik zu fühlen, Men­to, Ska, Rock­steady – all die Gen­res, aus denen sich später Reg­gae entwick­elt hat. Es gab so viele Musik­er in Jamai­ka, Leute wie der große Posaunist Don Drum­mond, der Gitar­rist Ernest Ran­glin… Dann all die großen Sänger, die Hep­tones, Lar­ry Mar­shall, Peter Tosh, Alton Ellis… All diese Bredrin kamen vor mir. Ich hörte sie mir alle an, die richti­gen Hard­core-Artists. Mit der lieblicheren Vari­ante von Reg­gae kon­nte ich nicht so viel anfan­gen. Ein­er der wichtig­sten Artists, die ich hörte, war Bob. Ich kan­nte all seine Songs!”

    ”Ich hat­te alles mögliche gemacht, hat­te in ein­er Reini­gung gear­beit­et, Autos gewaschen, Fliesen ver­legt… Doch dann geschah, was Jah sich für mich gewün­scht hat­te – dass ich Musik­er bzw. Artist werde. Ich war am Key Largo Beach, ganz in der Nähe der Jail Lane, in der Mar­cus Gar­vey gelebt hat­te. Dort hat für mich alles begonnen: I‑Man erkan­nte dort meine Wurzeln, meine Kul­tur, meine Geschichte. Ich sah, wo ich, wo meine Vor­fahren, wo der Vater meines Urgroß­vaters ursprünglich herka­men. Das war der Moment, in dem ich mich zum ersten Mal zu Rasta­fari bekan­nt und mir for­t­an Dread­locks wach­sen lassen habe. Diese Erken­nt­nis ver­danke ich mein­er Energie. Denn man muss offen sein für solche Dinge. Ich saß also am Strand, als mir diese Lyrics in den Sinn kamen – keine Ahnung, wo die plöt­zlich herka­men, es war wie eine Einge­bung. Und wenig später kamen Melo­di­en dazu, die ich anf­ing zu sin­gen. Das ist nichts, wonach man suchen kann. Aber wenn sie kom­men, muss man sie annehmen und akzep­tieren.”

    ”Ich ging oft in diesen Laden an der Indus­tri­al Ter­race, ein­er Seit­en­straße der Span­ish Town Road, wo man etwas zu Rauchen und ein Bier bekam. Dort hin­gen immer die gle­ichen Typen ab. GG liebte es, auf sein­er Gitarre zu spie­len. Ein ander­er, Nyah, hat­te viel über afrikanis­che Geschichte gele­sen und fragte mich ein­mal, ob ich schon mal von Jomo Keny­at­ta gehört hat­te. Er erzählte mir von dem ersten Präsi­den­ten von Kenia, den sie auch Burn­ing Spear nan­nten, und meinte, er sei genau der richtige, um sich als Artist auf ihn zu beziehen.”

    Doch wie viele sein­er Zeitgenossen war Burn­ing Spear unzufrieden mit der Zahlungsmoral bei Stu­dio One, räumt aber ein, dort viel gel­ernt zu haben. ”Als ich den Hep­tones und Del­roy Wil­son bei ihren Auf­nah­men zusah, ver­stand ich, wie die Dinge laufen. Ich machte mir Gedanken und begann, meine Songs selb­st zu arrang­ieren. Doch finanziell brachte mich die Zeit bei Stu­dio One nicht weit­er. Mis­ter Dodd behielt alle Ein- nah­men für sich. Stu­dio One war wie zur Schule zu gehen: Nach dem Abschluss zieht man weit­er.”

    ”Es gab ein Vorsin­gen im Fed­er­al The­atre in St. Ann’s Bay. Also ging ich hin und sang über Mar­cus Gar­vey und die Sklaven­zeit. Doch ich wurde abgelehnt. Dann tauchte Jack Ruby am Strand auf, er habe gehört, ich hätte zwei gute Songs, ‚Mar­cus Gar­vey‘ und ‚Slav­ery Days‘, die er gerne mit mir aufnehmen würde. Wir ver­han­del­ten hin und her und entsch­ieden, es zusam­men zu ver­suchen.”

    Das Ergeb­nis, ”Mar­cus Gar­vey”, ent­standen mit den Back­ground-Sängern Del­roy Hines, eben­falls aus St. Ann’s Bay, und Rupert Will­ing­ton, ist ein Meilen­stein, der neben Oden an den jamaikanis­chen Nation­al­helden auch ungeschönte Beschrei­bun­gen der Sklaverei und den postkolo­nialen Nach­wirkun­gen enthält, Songs wie ”Slav­ery Days”, ”The Inva­sion”, ”Give Me” und ”Tra­di­tion”. Burn­ing Spear wurde zum beliebtesten Artist der Insel. Die Veröf­fentlichung des Albums im Aus­land durch Island Records vervielfachte sein Pub­likum.

    Jack Ruby pro­duzierte auch das Nach­fol­geal­bum ”Man In The Hills”, ehe die bei­den getren­nte Wege gin­gen. Obwohl Spear seine näch­sten Alben selb­st pro­duzierte, spricht er bis heute nur gut über Ruby. ”Jack war ein guter Pro­duzent, er liebte Musik. Wenn er etwas in einem jun­gen Musik­er sah, unter­stützte er ihn. Wir sind immer gut miteinan­der klargekom­men und haben zwei starke Alben zusam­men gemacht. Danach habe ich unab­hängig gear­beit­et.”


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