RUHR REGGAE SUMMER 2026: Rückkehr, Regen & Unity

Text & Videos: Ellen Köh­lings /// Fotos: Michael Schwettmann


Was für ein gutes Gefühl, wenn etwas stat­tfind­et, das beina­he ver­loren gegan­gen wäre. Die Reg­gae-Szene musste um den Ruhr Reg­gae Sum­mer ban­gen. Doch nicht nur der stand auf wack­e­li­gen Beinen. Das gesamte Genre braucht Nach­wuchs und jede erden­kliche Unter­stützung. In diesem Som­mer haben so manche Fes­ti­vals zu spüren bekom­men, dass das Pub­likum weniger gewor­den ist als in den Jahren zuvor. Umso wichtiger, dass uns langjährige Insti­tu­tio­nen wie der RRS, der dieses Jahr 19 gewor­den ist, erhal­ten bleiben. 

Rewind: Eine Woche vor Fes­ti­val­be­ginn veröf­fentlicht­en die Organisator:innen des Fes­ti­vals auf Insta­gram, dass der RRS kurz vor der Absage stünde und ihnen noch 1.500 Tick­ets bis zum Break-even fehlten. In der Regel gebe es zu diesem Zeit­punkt immer einen Anstieg bei den Tick­etverkäufen. Der sei in diesem Jahr aus­ge­blieben. Der Post wurde vielfach geteilt. Am näch­sten Tag fol­gte die gute Nachricht, dass der RRS stat­tfind­et. Es wurde zwar nicht die nötige Anzahl an Tick­ets verkauft, aber an ander­er Stelle habe es großes Ent­ge­genkom­men gegeben, z.B. von der Stadt Mül­heim.

Ich freue mich, denn oft fand der RRS par­al­lel zum Roto­tom Sun­splash statt, wo RIDDIM Teil des Reg­gae Uni­ver­si­ty-Teams ist. So tut es gut, wieder an das Beson­dere dieses Fes­ti­vals erin­nert zu wer­den. Die Loca­tion ist ein­fach zu erre­ichen, hat viel Charme und die per­fek­te Größe. Die Bühne ste­ht im Zen­trum und beschallt mit aus­geze­ich­netem Sound das ganze Gelände. Einziger Bumper: Lei­der lädt das Wet­ter an diesem Woch­enende nicht immer zum Dip ins Naturfreibad ein.

Links vom Ein­gang das Kun­ter­bunt Soundsys­tem, das einen direkt mit ein­er wohli­gen Bass­mas­sage willkom­men heißt. Kaum auf dem Gelände tre­ffe ich auf viele bekan­nte Gesichter. Alle sind sichtlich erle­ichtert, dass der RRS gerettet wer­den kon­nte. Damit dies auch im näch­sten Jahr so ist – zum 20-Jähri­gen(!) – heißt der Appell an die Szene, Fes­ti­vals fleißig zu besuchen und vor allem Tick­ets frühzeit­ig im Vorverkauf zu erwer­ben. Das erle­ichtert die Plan­barkeit.

Lei­der ver­ab­schiedet sich Greeen ger­ade von der Bühne, als ich am Fre­itag ein­tr­e­ffe. Die Stim­mung ist aus­ge­lassen, das Gelände wirkt gut gefüllt. Manudig­i­tal und Skar­ra Muc­ci, die bere­its beim Reg­gae Jam überzeugten, liefern auch hier mit ihrem Mix aus Dance­hall, Dub, Reg­gae und elek­tro­n­is­ch­er Bass Music ab. Selb­st die ganz Jun­gen goutieren diese Ses­sion. 

Wow, es ist tat­säch­lich schon die fün­fte Pro­to­je-Show, die ich in diesem Jahr sehen darf. Dig­gy & The Indig­gna­tion sind einge­spielt. Sie ver­ste­hen sich nahezu blind. Spie­len seit gefühlten Ewigkeit­en in dieser For­ma­tion. Da sitzt alles. Und es gelingt ihnen selb­st nach einem vollen wie anstren­gen­den Tour-Jahr jedes Mal auf ein Neues, Begeis­terung zu ver­bre­it­en – auf wie vor der Bühne. Und – enorm wichtig für das Genre – junges Pub­likum anzuziehen. Big Tune fol­gt auf big Tune! 2016 spielte Pro­to­je beim RRS seine erste Head­lin­er-Show in Deutsch­land. 

Sam­stag heißt es erst­mal Unter­schlupf vor dem Regen find­en, bevor ich mich von der One Man Army Lit­tle Lion Sound ein­stimme lasse. Es scheint sich einzureg­nen. Doch das Pub­likum har­rt aus. Sowohl bei Mil­lion Stylez, dessen ”Miss Fat­ty” ein unver­wüstlich­er Hit bleibt, als auch bei DJ Mac & MC Baba. Auf let­zteren Act bin ich beson­ders neugierig. Beim Roto­tom habe ich ihn ver­passt. DJ Mac zählt zu den ange­sagten Dance­hall-Pro­duzen­ten, der mit dem ”WYFL”-Riddim schon jet­zt Geschichte geschrieben hat. Und er kann jug­glen. Stoisch und fokussiert und den­noch mit Groove & Swag ver­sorgt er die Mas­sive mit Clas­sics und New Tunes. Ein cooles Konzept als ger­ade erfol­gre­ich­er Pro­duc­er auf Tour zu gehen. 

Left­side, der – so hieß es – eine lange Reise hin­ter sich gehabt habe, strug­glet an diesem Abend mit sein­er Stimme. Als er irgend­wann sig­nal­isiert, dass er abbrechen muss, erlöst ihn spon­tan Black Omo­lo und springt mit einem impro­visierten Set ein. Der Regen lässt immer noch nicht nach. Doch das kann keinen Romain Vir­go erschüt­tern. Kluger­weise hat Pro­duzent und Man­ag­er Niko Browne ange­ord­net, die Band nicht so weit hin­ten auf der Bühne zu platzieren. Das erzeugt Nähe zum Pub­likum. Wie Pro­to­je ist Romain ein würdi­ger Head­lin­er, der Hit auf Hit liefert und alle mitzureißen weiß. Es gibt kaum einen Artist, der mit so viel Lei­den­schaft und Liebe zu seinem Job operiert. 

Am Son­ntag reise ich extra für Zion Mar­ley an, der mich mit seinen Releas­es und sein­er Stimme berührt. Das gelingt ihm auch mit seinem Auftritt, der zugegeben­er­maßen noch etwas ver­hal­ten ist, aber gle­ichzeit­ig wun­der­schön. Sein Set wurde auf 80 Minuten angelegt, was den Sänger mit ger­ade mal fünf veröf­fentlicht­en Songs und eini­gen Aus­flü­gen zu den Hits seines Groß­vaters etwas in die Bre­douille bringt. Doch auch hier ist jemand zur Seite: Romain Vir­go gesellt sich zu ihm auf die Bühne und bei­de stimme gemein­sam Bob Mar­ley-Songs an. Bei Tiken Jah Fakoly bin ich schon auf dem Rück­weg. Und spinne den Gedanken von der darge­bote­nen Uni­ty weit­er… Hof­fentlich bis zum näch­sten Jahr an gle­ich­er Stelle.


RIDDIM Newslettah

Be the first to know when new things are hap­pen­ing on riddim.world!

Choose your lan­guage:

We don’t send spam, find out more in our Pri­va­cy State­ment.

Schreibe einen Kommentar