Text & Videos: Ellen Köhlings /// Fotos: Michael Schwettmann
Was für ein gutes Gefühl, wenn etwas stattfindet, das beinahe verloren gegangen wäre. Die Reggae-Szene musste um den Ruhr Reggae Summer bangen. Doch nicht nur der stand auf wackeligen Beinen. Das gesamte Genre braucht Nachwuchs und jede erdenkliche Unterstützung. In diesem Sommer haben so manche Festivals zu spüren bekommen, dass das Publikum weniger geworden ist als in den Jahren zuvor. Umso wichtiger, dass uns langjährige Institutionen wie der RRS, der dieses Jahr 19 geworden ist, erhalten bleiben.
Rewind: Eine Woche vor Festivalbeginn veröffentlichten die Organisator:innen des Festivals auf Instagram, dass der RRS kurz vor der Absage stünde und ihnen noch 1.500 Tickets bis zum Break-even fehlten. In der Regel gebe es zu diesem Zeitpunkt immer einen Anstieg bei den Ticketverkäufen. Der sei in diesem Jahr ausgeblieben. Der Post wurde vielfach geteilt. Am nächsten Tag folgte die gute Nachricht, dass der RRS stattfindet. Es wurde zwar nicht die nötige Anzahl an Tickets verkauft, aber an anderer Stelle habe es großes Entgegenkommen gegeben, z.B. von der Stadt Mülheim.
Ich freue mich, denn oft fand der RRS parallel zum Rototom Sunsplash statt, wo RIDDIM Teil des Reggae University-Teams ist. So tut es gut, wieder an das Besondere dieses Festivals erinnert zu werden. Die Location ist einfach zu erreichen, hat viel Charme und die perfekte Größe. Die Bühne steht im Zentrum und beschallt mit ausgezeichnetem Sound das ganze Gelände. Einziger Bumper: Leider lädt das Wetter an diesem Wochenende nicht immer zum Dip ins Naturfreibad ein.
Links vom Eingang das Kunterbunt Soundsystem, das einen direkt mit einer wohligen Bassmassage willkommen heißt. Kaum auf dem Gelände treffe ich auf viele bekannte Gesichter. Alle sind sichtlich erleichtert, dass der RRS gerettet werden konnte. Damit dies auch im nächsten Jahr so ist – zum 20-Jährigen(!) – heißt der Appell an die Szene, Festivals fleißig zu besuchen und vor allem Tickets frühzeitig im Vorverkauf zu erwerben. Das erleichtert die Planbarkeit.
Leider verabschiedet sich Greeen gerade von der Bühne, als ich am Freitag eintreffe. Die Stimmung ist ausgelassen, das Gelände wirkt gut gefüllt. Manudigital und Skarra Mucci, die bereits beim Reggae Jam überzeugten, liefern auch hier mit ihrem Mix aus Dancehall, Dub, Reggae und elektronischer Bass Music ab. Selbst die ganz Jungen goutieren diese Session.
Wow, es ist tatsächlich schon die fünfte Protoje-Show, die ich in diesem Jahr sehen darf. Diggy & The Indiggnation sind eingespielt. Sie verstehen sich nahezu blind. Spielen seit gefühlten Ewigkeiten in dieser Formation. Da sitzt alles. Und es gelingt ihnen selbst nach einem vollen wie anstrengenden Tour-Jahr jedes Mal auf ein Neues, Begeisterung zu verbreiten – auf wie vor der Bühne. Und – enorm wichtig für das Genre – junges Publikum anzuziehen. Big Tune folgt auf big Tune! 2016 spielte Protoje beim RRS seine erste Headliner-Show in Deutschland.



Samstag heißt es erstmal Unterschlupf vor dem Regen finden, bevor ich mich von der One Man Army Little Lion Sound einstimme lasse. Es scheint sich einzuregnen. Doch das Publikum harrt aus. Sowohl bei Million Stylez, dessen ”Miss Fatty” ein unverwüstlicher Hit bleibt, als auch bei DJ Mac & MC Baba. Auf letzteren Act bin ich besonders neugierig. Beim Rototom habe ich ihn verpasst. DJ Mac zählt zu den angesagten Dancehall-Produzenten, der mit dem ”WYFL”-Riddim schon jetzt Geschichte geschrieben hat. Und er kann jugglen. Stoisch und fokussiert und dennoch mit Groove & Swag versorgt er die Massive mit Classics und New Tunes. Ein cooles Konzept als gerade erfolgreicher Producer auf Tour zu gehen.
Leftside, der – so hieß es – eine lange Reise hinter sich gehabt habe, strugglet an diesem Abend mit seiner Stimme. Als er irgendwann signalisiert, dass er abbrechen muss, erlöst ihn spontan Black Omolo und springt mit einem improvisierten Set ein. Der Regen lässt immer noch nicht nach. Doch das kann keinen Romain Virgo erschüttern. Klugerweise hat Produzent und Manager Niko Browne angeordnet, die Band nicht so weit hinten auf der Bühne zu platzieren. Das erzeugt Nähe zum Publikum. Wie Protoje ist Romain ein würdiger Headliner, der Hit auf Hit liefert und alle mitzureißen weiß. Es gibt kaum einen Artist, der mit so viel Leidenschaft und Liebe zu seinem Job operiert.
Am Sonntag reise ich extra für Zion Marley an, der mich mit seinen Releases und seiner Stimme berührt. Das gelingt ihm auch mit seinem Auftritt, der zugegebenermaßen noch etwas verhalten ist, aber gleichzeitig wunderschön. Sein Set wurde auf 80 Minuten angelegt, was den Sänger mit gerade mal fünf veröffentlichten Songs und einigen Ausflügen zu den Hits seines Großvaters etwas in die Bredouille bringt. Doch auch hier ist jemand zur Seite: Romain Virgo gesellt sich zu ihm auf die Bühne und beide stimme gemeinsam Bob Marley-Songs an. Bei Tiken Jah Fakoly bin ich schon auf dem Rückweg. Und spinne den Gedanken von der dargebotenen Unity weiter… Hoffentlich bis zum nächsten Jahr an gleicher Stelle.
















































