REVIEW: Capleton – Heights of Fire

    Capleton – Heights of Fire

    Evidence Music – digital, Vinyl, CD

    Text: Mar­tin Bech

    16 Jahre hat sich Caple­ton Zeit gelassen, um ein neues Stu­dioal­bum vorzule­gen. Eine ungewöhn­lich lange Pause, die Heights of Fire automa­tisch zu einem beson­deren Release macht. Zwar war der Fire­man in den ver­gan­genen Jahren mit Sin­gles und Gast­beiträ­gen nahezu dauer­haft präsent, doch ein voll­ständi­ges Album ist immer etwas anderes: Es ist eine Bestand­sauf­nahme. Und die fällt über­raschend stark aus.

    Dass Caple­ton dafür auf ein inter­na­tionales Pro­duzen­ten­team set­zt, zahlt sich aus. Lit­tle Lion Sound und Der­rick Sound aus Genf, Mix­ing Fin­ga aus Kingston, Mista Savona aus Mel­bourne, Cos­ta Rebel aus Cos­ta Rica sowie L’Entourloop aus Frankre­ich sor­gen dafür, dass das Album klan­glich nie auf der Stelle tritt. Trotz unter­schiedlich­er Hand­schriften wirkt Heights of Fire erstaunlich geschlossen und verbindet mod­erne Reg­gae-Pro­duk­tio­nen mit klas­sis­chen Roots-Ele­menten, ohne jemals beliebig zu klin­gen.

    Schon der Open­er Red Again macht klar, dass Caple­ton auch mit Anfang sechzig nichts von sein­er Ausstrahlung ver­loren hat. Seine markante Reibeisen­stimme sitzt per­fekt auf der druck­vollen Pro­duk­tion, die Energie ist sofort da. Noch stärk­er fällt allerd­ings In The Game aus. Gefüh­lvolle Gitar­ren, dezente Sam­ples und eine unge­wohnt zurückgenommene Gesangsper­for­mance zeigen eine Seite des Dee­jays, die man viel zu sel­ten zu hören bekommt. Der Wech­sel zwis­chen san­ftem Refrain und kraftvollen Stro­phen funk­tion­iert her­vor­ra­gend und macht den Song zu einem der Höhep­unk­te des Albums.

    Nach diesem starken Auf­takt nimmt Heights of Fire bewusst Tem­po her­aus. Die fol­gen­den Stücke ori­en­tieren sich stärk­er am klas­sis­chen Roots-Reg­gae und geben dem Album Luft zum Atmen. Beson­ders Eesah set­zt auf Deh Pon Mi Mind ein Aus­rufeze­ichen. Mit seinem frischen, energiege­lade­nen Gast­beitrag bringt er genau die Dynamik mit, die den Song auf das näch­ste Lev­el hebt.

    Zu den absoluten High­lights gehört Behave Your­self. Ein mas­siv­er Bass­lauf trägt den Song, während Caple­ton den Rid­dim mit beein­druck­ender Leichtigkeit reit­et. Statt jede Lücke mit Vocals zu füllen, lassen Song und Pro­duk­tion bewusst Raum entste­hen. Genau diese Zurück­hal­tung macht den Track so wirkungsvoll.

    Auch Baby­lon So Evil überzeugt auf ganz­er Lin­ie. Stephen und Dami­an Mar­ley ergänzen Caple­ton her­vor­ra­gend, ohne dass daraus ein über­ladenes Sta­raufge­bot wird. Die min­i­mal­is­tis­che Pro­duk­tion stellt alle drei Stim­men in den Mit­telpunkt – mehr braucht dieser Song nicht.

    Zur Hal­bzeit sorgt L’Entourloops Remix von Burn Dem Down für einen willkomme­nen Stil­wech­sel. Der markante Sound des franzö­sis­chen Duos bringt frischen Wind ins Album und ver­hin­dert, dass die mit rund 55 Minuten nicht ger­ade kurze Spielzeit zu schw­er wirkt.

    Auch danach bleibt das Niveau hoch. Sense­less Killing, basierend auf Den­nis Browns If I Had The World, verbindet Mix­ing Fin­gas war­men Old-School-Sound mit ein­er zeit­gemäßen Pro­duk­tion. New Age und Haf­fi Know Dem verneigen sich hör­bar vor dem Reg­gae der späten Neun­ziger, ohne nos­tal­gisch zu wirken. Der­rick Sound steuert mit High­way Rob­bers und Tired Of The Dra­ma zwei mod­erne Pro­duk­tio­nen bei, die beweisen, wie selb­stver­ständlich sich aktueller Reg­gae und tra­di­tionelle Ele­mente miteinan­der verbinden lassen.

    Ganz gelingt der Span­nungs­bo­gen allerd­ings nicht. Aus­gerech­net der Abschlusstrack All Night wirkt wie ein Fremd­kör­p­er. Der kom­pro­miss­lose Dance­hall-Ansatz funk­tion­iert zwar für sich genom­men, hat mit der Atmo­sphäre des übri­gen Albums aber nur wenig gemein­sam. Nach fast ein­er Stunde, die kon­se­quent auf mod­ernes Roots-Reg­gae set­zt, kommt dieser Stil­wech­sel über­raschend und nimmt dem Finale etwas von sein­er Wirkung.

    Das ändert allerd­ings wenig am ins­ge­samt sehr pos­i­tiv­en Ein­druck. Heights of Fire ist kein Album, das mit möglichst vie­len Hits um Aufmerk­samkeit buhlt. Stattdessen wächst es mit jedem Durch­lauf. Caple­ton präsen­tiert sich so fokussiert und kon­trol­liert wie lange nicht. Seine Texte über Spir­i­tu­al­ität, Gerechtigkeit und den Kampf gegen Gewalt wirken nicht wie Pflichtübun­gen, son­dern trans­portieren echte Überzeu­gung. Gle­ichzeit­ig sorgt die abwech­slungsre­iche Pro­duzen­ten­riege dafür, dass das Album klan­glich bis zum Schluss span­nend bleibt.

    Nach 16 Jahren liefert Caple­ton kein nos­tal­gis­ches Alter­swerk ab, son­dern ein zeit­gemäßes Reg­gae-Album, das seine Wurzeln ken­nt, ohne sich auf ihnen auszu­ruhen. Kleinere Schwächen beim Finale ändern nichts daran, dass Heights of Fire zu seinen stärk­sten Veröf­fentlichun­gen der ver­gan­genen Jahrzehnte zählt.

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