REVIEW: Vybz Kartel – Heart & Soul

Vybz Kartel – Heart & Soul

Das belegt auch die Nominierung von ”Heart & Soul” von Vybz Kar­tel – was dann allerd­ings wieder max­i­mal bemerkenswert ist für einen 50-jähri­gen Gangs­ta-Dee­jay, der zudem die desig­nierte Blütezeit sein­er Kar­riere hin­ter Git­tern ver­bracht hat. Seine zweite Gram­my-Nominierung in Folge hat sich Kar­tel im Wortsinne ver­di­ent. Sie ist das Ergeb­nis von 35 Jahren har­ter Arbeit, immer mehr auch für die Cul­ture.

Davon abge­se­hen belegt ”Heart & Soul” vor allem, dass ein Konzept noch kein Album macht, ein gutes schon gar nicht. Die elf Songs drehen sich um Facetten von Liebe, Sex und Zärtlichkeit. Die meis­ten von ihnen klin­gen dabei ähn­lich gener­isch wie der Titel. Mag sein, dass dem Tur­tel-Paulus Kar­tel dieses Album am Herzen lag. Die Seele höre ich trotz­dem kaum.

Beispiel­haft sind der Open­er ”They’re Out­ta Love We Aren’t” (für Sidem und mit Sidem im Video) und der Clos­er ”Only Gets Bet­ter” (auch für Sidem, aber mit jemand anderem im Video). Sie bilden eine Art roman­tis­che Klam­mer des Albums, was in der The­o­rie cute ist, in der Prax­is aber nur Island Pop nach Vorschrift – wobei die Vorschrift vor unge­fähr zehn Jahren erlassen wurde. Auch der Dance-Song ”Bad Bad Bad” mit Ishaw­na schlit­tert mit beachtlichem Unc-Fak­tor auf dem schmalen Grat zwis­chen Old­school-Ref­erenz und Polon­aise im Par­tykeller dein­er Eltern.

Gle­ichzeit­ig ist Kar­tel natür­lich immer noch Kar­tel, also jed­erzeit für einen Moment der Genial­ität gut. Hooks, die er in den Ses­sions mit Producer/Engineer Red­boom Supamix ganz offen­sichtlich ein­fach hin­freestylet hat (”11:45”, ”Ghet­to Girl Cho­sen”), bekom­men andere in sechs Wochen Writ­ers Camp mit acht Co-Autor*innen nicht hin. Und seine Gabe, bezirzende Melo­di­en mit Hard­core-Hal­tung zu verbinden und dabei eine Brücke zu schla­gen zwis­chen der His­to­rie des Gen­res und den Anforderun­gen der mod­er­nen Kon­sum­re­al­ität, ist ohne­hin unerr­e­icht. ”I Know” zum Beispiel hat­te let­zten Herb­st mächtig Tik­Tok-Hype und bleibt 2026 ein High­light. Auch der Titel­track ”Heart and Soul” ist Mate­r­i­al für den Kar­tel-Kanon: nichts, was man nicht schon mal gehört hätte, aber per­fekt exeku­tiert.

Inter­es­sant ist auch der Song ”You Walked Away”, in dem Kar­tel auf seine zer­broch­ene Beziehung zu Tane­sha John­son blickt: qua­si eine Reprise auf sein let­ztes großes Liebe­sal­bum ”To Tane­sha” von 2019. Anstatt schmutzige Wäsche zu waschen oder mit großer Geste zu reuen, lässt Kar­tel in Echtzeit die Gedanken fließen, die einem in solchen Sit­u­a­tio­nen nun mal durch den Kopf gehen. Du hast Scheiße gebaut, ich habe Scheiße gebaut, jet­zt haben wir die Scheiße, ver­dammte Scheiße.


Riddim Newslettah

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