REVIEW: Azizzi Romeo – Signs Of The Time

Azizzi Romeo – Signs Of The Time

Label: Recall Reality

Text: Volk­er Barsch

Das A&O beim Vorstel­lungs­ge­spräch: Läster auf keinen Fall über deinen alten Arbeit­ge­ber! Denn der neue geht dann davon aus, dass du später genau­so über ihn reden wirst. Dementsprechend ist es vielle­icht auch keine beson­ders geschick­te Tak­tik, in einem Liebeslied die Ex zu dis­sen, so wie es Azizzi Romeo in ”Paragon of Virtue” tut: ”Com­pared to my ex, this is refresh­ing”. Erstens möchte die neue Flamme um ihrer selb­st willen begehrt wer­den, und zweit­ens fängt sie nun an, sich auszu­malen, was Mr. Lover-Lover über sie ver­bre­it­en wird, wenn die erste Ver­liebtheit längst wieder ver­sandet ist. Auch mit ”Let Me”, dem zweit­en Liebeslied auf seinem Debüt-Album, kön­nte es der Sänger bei den anspruchsvolleren Ladys schw­er haben, da er hier ein­fach zu viele Phrasen aneinan­der­rei­ht.

Während der Apfel es also in Sachen Lovesto­ry­telling noch an Reife ver­mis­sen lässt, fällt er im Bere­ich Roots & Con­scious­ness nicht weit vom Stamm: In den übri­gen neun Songs set­zt Azizzi die Lega­cy seines Vaters Max fort, indem er Baby­lons Mauern mit kom­pro­miss­losen Ras­ta­tex­ten zum Ein­sturz bringt. Ob im beschwingten ”Baby­lon Ain’t Easy”, im uplif­ten­den ”Thanks and Prais­es”,  im von schö­nen Bläs­er-Pas­sagen getra­ge­nen ”Jah Jah Dis­ci­ples” oder im hym­nen­haften ”Selassie I Reigns”: Im Con­scious-Modus ist Azizzis unver­wech­sel­bare Stimme in ihrem Ele­ment. Gekon­nt wech­selt er dabei zwis­chen gefüh­lvollem Gesang und her­vor­ra­gend flowen­den Toast­ing-Pas­sagen hin und her.

Zur Fam­i­ly-Affair wird das Album durch die starken Duette mit Vater Max (RIP) im Titel­track und Schwest­er Xana in ”All I See”. Das dänis­che Guid­ing Star Orches­tra, das seine exzel­lente handw­erk­liche Qual­ität und Viel­seit­igkeit ja u.a. schon als Live-Sup­port von Kumar demon­stri­erte, liefert dem Sänger die per­fek­te Grund­lage mit root­si­gen Rid­dims von One Drop bis Step­pers. Bei der Pro­duk­tion kooperierte das Orches­tra mit dem eben­falls in Däne­mark ansäs­si­gen Kali­fornier CHLLNGR, der genau­so pro­fes­sionelle Mix geht auf das Kon­to von Prince Fat­ty.

Alles in allem vol­len­det Azizzi Romeo, der stilis­tisch und inhaltlich mitunter an Matthew McAnuff erin­nert, mit diesem gelun­genen Debüt-Album seinen Shift von Dancehall/Trap/HipHop zu Roots-Reg­gae, der sich ja bere­its mit der ”African Youth”-EP andeutete. Im Ver­gle­ich zu seinen früheren Veröf­fentlichun­gen wirkt er nun erwach­sen­er, aber gle­ichzeit­ig, auch dank der Spiel­freude sein­er dänis­chen Begleit­er, richtig ”refresh­ing”!


”Signs Of The Time” ist am 2. Okto­ber bei Recall Real­i­ty erschienen.

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