Jah Shaka — Revelation Songs


Dieser Artikel wurde erst­mals im Juni 2023 veröf­fentlicht (RIDDIM 03/2023).


Während ich diese Zeilen schreibe, trauert die Reg­gae-Gemeinde noch immer um Jah Sha­ka, den über­ra­gen­den Gigan­ten der britis­chen Sound Sys­tem-Szene, dessen Ein­fluss auf die weltweite Wahrnehmung des Gen­res kaum hoch genug eingeschätzt wer­den kann. In sein­er über 55 Jahre dauern­den Kar­riere verän­derte Jah Sha­ka mit seinem unver­wech­sel­baren und eigen­willi­gen Stil die Sound Sys­tem-Land­schaft im Allein­gang. Trends und Mod­en ignori­erend, konzen­tri­erte er sich auss­chließlich auf poli­tisch rel­e­van­ten und spir­ituell erheben­den Reg­gae. Die von ihm gespielte Musik und seine selb­st­pro­duzierten Plat­ten dien­ten als Inspi­ra­tion und Ermu­ti­gung für die Unter­drück­ten und Geknechteten. Bei den vie­len Dances, die er in ver­schiede­nen Lon­don­er Under­ground-Venues ver­anstal­tete, spielte er in Trance-ähn­lichem Zus­tand auf einem archais­chen Gar­rard-Plat­ten­spiel­er, der ange­blich aus den späten 1940er Jahren stammt. Dazu sang Jah Sha­ka uplif­tende Botschaften und Ermah­nun­gen zur tran­szen­den­ten Hingabe an Rasta­fari ins Mikro­fon – alles in Delay und Reverb getaucht und um speziell ange­fer­tigte Effek­te und live gespielte Per­cus­sion-Ele­mente ergänzt, was die drama­tis­che Span­nung noch erhöhte. Durch seinen meis­ter­haften Ein­satz des Vorver­stärk­ers zusam­men mit ein­er trag­baren Syn­drum und ein­er selb­st­ge­baut­en Sire­nen­box traf er bei seinen Ses­sions die Eingewei­de genau­so wie das Bewusst­sein sein­er Fol­low­er. Indem er die sub­sonis­chen Bass­fre­quen­zen in regelmäßi­gen Abstän­den anhob, stim­ulierte er beim Pub­likum eine entrück­ende und umwälzende Erfahrung. Bei Jah Sha­ka-Dances ging es nie um reine Unter­hal­tung oder Effek­thascherei. Seine Ses­sions soll­ten die Teilnehmer:innen upliften und inspiri­eren, ihnen helfen, sich von men­tal­en Fes­seln zu befreien, ohne Beschränkun­gen zu tanzen und so let­ztlich eine bessere Welt zu erschaf­fen – indi­vidu­ell wie als Kollek­tiv.


Riddim Newslettah

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