REVIEW: Ziggy Marley – Brightside

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Ziggy Marley – Brightside

Tuff Gong Worldwide

Text: Eliz­a­beth Hann

Zig­gy Mar­ley ist nach ein­er vier­jähri­gen Pause mit Songs zurück­gekehrt, die Herzen aufricht­en und Gedanken ver­tiefen. ”Bright­side” – sein neuntes Soloal­bum und das erste seit ”More Fam­i­ly Time” von 2020 – dreht sich, wie der Titel bere­its andeutet, um Pos­i­tiv­i­ty. Manche Hörer:innen – zynisch gewor­den durch zu viele schlechte Nachricht­en und zu viele Songs, die es so klin­gen lassen, als sei es so ein­fach, pos­i­tiv zu bleiben wie einen Lichtschal­ter umzule­gen – kön­nten befürcht­en, dass ein solch­es The­ma acht Stücke voller Kitsch ver­heißt. Doch diese Sorge ist unbe­grün­det. Zig­gys rauchig-raue, warm-see­len­volle Stimme – und die bril­lant zusam­mengestell­ten Tal­ente der Musiker:innen und Backgroundsänger:innen – ret­ten selb­st seine schlicht­esten Texte. Die Songs auf ”Bright­side” sind zugle­ich beruhi­gend, tra­gend und kraftvoll. Es ist Musik von jeman­dem, der Verzwei­flung ken­nt und seinen Hörer:innen Wege zeigt, sich gegen sie zu behaupten.

Die Vor­ab­s­in­gle ”Many Mourn For Bob” ist der am wenig­sten „upful“, der melan­cholis­chste Song des Albums. Über eine sub­tile akustis­che Gitarre und Key­boards, getra­gen von leuch­t­end-ätherischen Back­ground-Vocals von Stephen Mar­ley, erin­nert sich Zig­gy an Bob Mar­ley – sowohl als rebel­lis­chen Helden als auch als jun­gen Vater, der viel zu früh starb; die wun­der­schöne Melodie und Zig­gys ein­fache, direk­te Worte gehen tief unter die Haut. Das ist ein echter Blues-Song – ein Lied, in dem der Sänger seinen Schmerz schw­er auf dem Herzen trägt und aus dieser Schwere her­aus singt.

”Racism Is A Kil­la” ist der ein­drucksvoll­ste Song des Albums – ein­er der härtesten Tracks, die Zig­gy seit Jahren aufgenom­men hat. Es ist eine direk­te Auseinan­der­set­zung mit Ras­sis­mus, geschrieben, nach­dem Zig­gy vom Mord an George Floyd erfahren hat­te. Über strahlende Bläs­er und eine treibende Basslin­ie warnt er vor den Gefahren dieses „has­ser­füll­ten Übels“ und bietet Men­schlichkeit als Gegen­mit­tel an. Der Song ver­di­ent es, ein Top-40-Pop-Hit zu wer­den – mit ein­er Botschaft, die Men­schen aller Hin­ter­gründe über­all erre­icht.

Ein weit­er­er Höhep­unkt ist ”Hey Peo­ple Now”, ein tanzbar­er R&B‑Track mit heißen, an Bon­nie Raitt erin­nern­den Gastvo­cals der erfahre­nen Soul­sän­gerin Nikka Cos­ta. Eine Neuin­ter­pre­ta­tion von ”Say Peo­ple” (das Zig­gy 1986 erst­mals mit den Melody Mak­ers auf­nahm), ist der Song zugle­ich Liebeslied und Aufruf, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Auch ”Why Let The World” (mit Trom­bone Shorty) und ”Jah We Give Glo­ry” – in dem Zig­gy offen­bart, dass der Schlüs­sel dazu, auf der Son­nen­seite zu gehen, im Glauben liegt – sind her­vorzuheben.

Am inspiri­erend­sten an ”Bright­side” ist Zig­gys Bere­itschaft, Gen­re­gren­zen zu ignori­eren. In Zusam­me­nar­beit mit Musiker:innen und Sänger:innen außer­halb der Reg­gae-Tra­di­tion hat er ein Album geschaf­fen, das nicht „strict­ly roots“ ist. ”Bright­side” ist ein musikalis­ch­er Schmelztiegel aus Roots-Reg­gae und Roots-Rock, Funk und Folk, R&B und Pop. Diese fusion­ierte Qual­ität – wenn Rock‑, Jazz- und R&B‑Musiker:innen gemein­sam mit Reggae-Sänger:innen Musik der Hoff­nung erschaf­fen – ist an sich schon ein anti­ras­sis­tis­ches, antifaschis­tis­ches State­ment. Sie ver­lei­ht den Botschaften von Liebe und Ein­heit in den Tex­ten mehr Gewicht als bloße Worte. ”Bright­side” ist ein Album nicht nur für Fans von Roots-Reg­gae und den Mar­leys, son­dern für alle, die Gründe brauchen, auf die Son­nen­seite zu schauen.


Riddim Newslettah

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