
Samory I – Revelation
TunUp Squad (Alle Formate)
Text: Volker Barsch
Mit dem von Rory Stonelove produzierten Jahrhundertalbum ”Black Gold” etablierte sich Samory I 2017 quasi über Nacht als eine der wichtigsten neuen Roots-Stimmen Jamaikas. Vor drei Jahren knüpfte er mit der starken, stilistisch offeneren Winta-James-Produktion ”Strength” nahtlos daran an. Auch für ”Revelation” greift der Sänger wieder auf einen versierten Profi zurück: Altmeister Clive Hunt, der ihn zusammen mit den jüngeren Co-Produzenten Ruel ”Potarice” Ashbourne und TunUp Squad optimal in Szene setzt.
Gleich im Opener nimmt uns Samorys ausdrucksstarker Gesang auf einem spartanisch arrangierten Riddim mit nach ”Zion”, seiner Definition nach ein Ort, der ganz und gar vor dem Zugriff Babylons geschützt ist.
In ”Letter to My Son” richtet sich der Sänger an seinen Sohn Jahseh, der ja bereits auf den Cover-Fotos von ”Strength” zu sehen war, mit dem eindringlichen Ratschlag, sich in seinem Leben hundertprozentig auf Jah zu verlassen. Griotmäßige Gesangseinlagen des senegalesischen multidisziplinären Künstlers Baye Gallo und ein mantrahafter Backgroundgesang sorgen dabei für ein meditatives Setting.
Ebenso persönlich ist das seiner verstorbenen Mutter gewidmete Klagelied ”Woe Today”, in dem Samory es in der für ihn typischen Art schafft, Gefühle von tiefer Trauer mit heilendem, upliftendem Gesang in Einklang zu bringen.
Auch in den restlichen Tunes sorgt sein souliger Tenor, wie gewohnt, für eine unter die Haut gehende Intensität. Verzweiflung und Struggle sprechen aus dieser Stimme, aber auch ein unerschütterliches Bewusstsein für die eigenen Roots und für Word, Sound & Power.
Perfekte Voraussetzungen für Reality-Tunes wie ”Siren”, Empowerment-Songs wie ”Don’t Give Up” und ”Victory” oder an Jah-Jah gerichtete Hymnen wie ”High Praise”. An die Ladys wendet sich Samory I mit dem explizit-aufgeheizten ”Fire Burning” und wesentlich entspannter im klassischen Lovers-Tune ”Season to Love”, der mit dem am Ende einsetzenden Background-Chor dann doch noch etwas ins Cheesige abdriftet.
Während ”Black Gold” komplett ohne Gäste auskam und auf ”Strength” Protagonisten des ”Reggae Revival” gefeaturet wurden, enthält ”Revelation” neben einer starken Collabo mit Grammy-Gewinner Keznamdi in ”Warning” auch drei Gastauftritte von Top-a-Top-Dancehall-Artists, deren Parts sich sehr organisch einfügen: Govana in ”Siren”, Agent Sasco in ”Cruise” und Chronic Law in ”Victory”, wobei besonders ”Siren” mit seiner pumpenden Bassline und ”Victory” mit viel Pop-Appeal im Refrain über großes Hit-Potenzial verfügen.
Dass diese Combis hervorragend funktionieren, ist nicht allzu überraschend, wenn man sich an den Ganja-Tune ”Life Is Amazing”, Samorys Single mit Chi Ching Ching von 2022, erinnert. So unterstreicht der Rasta-Sänger seine Street Credibility und dockt vielleicht auch an jüngere Zielgruppen an. Auf jeden Fall gelingt es ihm auf dem neuen Album in sehr überzeugender Weise, seiner Roots-Foundation treu zu bleiben und ihr gleichzeitig viele neue Facetten hinzuzufügen.
