
Lone Ark meets The 18th Parallel – Showcase Vol. 2
Fruits Records – Vinyl, digital
Text: Volker Barsch
Wer heute über zeitgenössische Roots- und Dub-Produktionen sprechen will, kommt an The 18th Parallel und Roberto Sánchez nicht vorbei. Sowohl das Genfer Kollektiv als auch der Spanier haben sich mit einer Reihe erstklassiger Veröffentlichungen längst als internationale Größen etabliert und dabei auch regelmäßig zusammengearbeitet, z.B. auf Kumars „Tales of Reality“, den Projekten „Roots Architects“ und „Dub Avalanche“ oder der im Frühjahr erschienenen Compilation „All Fruits Ripe“. Beide Seiten vereint eine unerschütterliche Hingabe zu warmen, deepen, analogen Sounds, die das Vermächtnis der 70er beschwören, dabei aber frisch, dynamisch und authentisch klingen. Weniger bekannt ist, dass Roberto Sánchez nicht nur produziert, mixt und Instrumente einspielt, sondern unter dem Alias „Lone Ark“ auch gern mal sein Glück als Sänger versucht. So erschien bereits vor fünf Jahren das starke Showcase-Album „Lone Ark Meets The 18th Parallel Vol.1“. Auf dem stimmungsvollen Schwarzweiß-Cover von „Volume 2“ posiert der Sänger mit Vintage-Mantel, Schiebermütze und Vollbart wie eine Figur aus einem französischen Gangsterfilm der 70er. Alles andere als düster sind sein gefühlvoller Tenor und seine meditativ-beruhigende Delivery, wie wir sie schon von „Volume 1“ kennen. Auch die Struktur des Albums entspricht der des Vorgängers: sechs Songs im Showcase-Format, d.h. sechs Vocal-Tracks mit jeweils angehängter Dub-Version.
Aufgenommen wurde das Ganze komplett analog mit einer Otari MX 80 2‑Inch-24-Track-Bandmaschine von Mathias Liengme im Genfer Bridge Studio und Roberto Sánchez im A‑Lone Ark Muzik Studio in Santander, den Mix erledigte Sánchez allein. Bei den beteiligten Musikern handelt es sich um Mitglieder von The 18th Parallel und Sánchez‘ Lone Ark Riddim Force. Ganz neu dabei ist Théo Hanser mit seinen wunderbaren Querflötenklängen, die vor allem dem Track „Man Kill Man“ ihren Stempel aufdrücken, einem Antikriegssong, in dem Lone Ark Frieden und ein gutes Leben einfordert: „Heaven on earth is what we deserve.“ Auch Bläser und Tasteninstrumente kommen sehr geschmackvoll zum Einsatz. Getragen werden die Songs aber vor allem von der Riddim-Section mit Roberto Sánchez (Bass), Antonin Chatelain (Drums) und Jaime „Pipe“ Hero (Synare-Effekte), die den Geist von Sly & Robbie atmet, teilweise auch von Wackie’s. Passend dazu erinnert Lone Arks leidenschaftlicher „Oh Lord!“-Outcry in „Morning Blessing“ an Michael Rose, dessen größte Erfolge mit Black Uhuru untrennbar mit den „Riddim-Twins“ verbunden sind.
Roberto Sánchez und The 18th Parallel haben tatsächlich ihre eigene Roots-Formel gefunden, auf die sie immer wieder zurückgreifen können, um neue, spannende Musik zu kreieren. Es ist viel zu billig, ihren Ansatz als konservativ oder rückwärtsgewandt zu verwerfen. Ganz im Gegenteil gibt es angesichts des globalen Siegeszugs von KI-generierter Fake- und Schrott-Musik nur ein passendes Adjektiv für ihr stures Beharren auf analogem, organischem Roots-Sound: revolutionär!

