Reggae Month 2026 – Finally!

Nach zwei Jahren Jamai­ka-Entzug und zehn Jahre ohne Reg­gae Month, fiebere ich auf den Abflug nach Mon­tego Bay hin wie ewig nicht mehr. Auch wenn es heißt, dass die Vor­freude die schön­ste Freude sei, hat die Freude vor Ort die Vor­freude sog­ar noch übertrof­fen. Ellen Köh­lings lässt euch teil­nehmen an ihrem per­sön­lichen Reg­gae Month.

Text & Fotos: Ellen Köh­lings


Offiziell gibt es den Reg­gae Month in Jamai­ka seit 2008. Warum im Feb­ru­ar? Weil in dem Monat der Crown Prince und der King Geburt­stag haben. Seit­dem hat es viele Diskus­sio­nen gegeben. Braucht JA wirk­lich einen eige­nen Monat für den Heart­beat? Schlägt er nicht eh ständig und über­all?

Dann wurde immer wieder beklagt, dass es zu viele par­al­lel stat­tfind­ende Events gibt. Sei’s drum. Ich zehre immer noch davon, endlich mal wieder im Reg­gae Month auf der Insel gewe­sen zu sein. Einziger Dämpfer: Zweiein­halb Wochen sind defin­i­tiv viel zu kurz für Jamai­ka.

An einem Sam­stag geht es direkt von Mon­tego Bay mit dem Knutsford Express nach Kingston, wo ich spät in der Nacht ins Bett falle. Damit habe ich dem Jet­lag ein Schnip­pchen geschla­gen und kann den Son­ntagabend im Kingston Dub Club auskosten.

Die Loca­tion zählt zu den schön­sten der Insel – whole heap ah Vibes garantiert. Heute tritt Runk­us ans Mic, dessen Tal­ent mich immer wieder umhaut. Auch in dieser Nacht, die seinem vor einem Jahr ver­stor­be­nen Vater gewid­met ist: ”Ile­brat­ing the Life and Works of Deter­mine”. Runk­us, der seinem Dad verblüf­fend ähn­lich sieht, hat die Fam­i­ly im Schlepp­tau. Er per­formt Deter­mines Hits und schiebt eigene Songs seines anste­hen­den Albums ”Super­no­va” ein – u.a. ”Life Over Death”, das seinem Vater gewid­met ist.

Pop­caan & Runk­us at Kingston Dub Club

Artists wie sein Bro Roy­al Blu, Imeru Tafari und Kar­bon gehen eben­falls ans Mic. Solch old schoolige Sound Sys­tem-Atmo­sphäre kickt mich jedes Mal. Auch Haush­err Gabre Selassie ist bestens aufgelegt und legt – as usu­al – her­vor­ra­gend auf. Wir ver­säu­men keinen Son­ntag im Kingston Dub Club in unser­er so kurzen Zeit auf der Insel.

Manche mögen sich noch an Inner City Dub erin­nern, ein Reg­u­lar, das von 2014 bis 2018 in Den­ham Town stat­tfand. Am Mon­tagabend gibt es die lang erwartete Neuau­flage mit einem Nyah­binghi Soft Launch. To bless the place, wie es heißt. Ich kann mich noch gut an die Nächte an der Span­ish Town Road erin­nern, bei denen von Vet­er­ans wie Horace Andy bis zu jün­geren Acts wie Samory I so manche Artists aufge­treten sind. Damals musste noch impro­visiert wer­den. Heute gibt es ein ein­laden­des Venue.

Was der Tivoli Gar­dens-Native I‑Nation geschaf­fen hat, ver­di­ent großen Respekt. Neben der Schweißerei seines im let­zten Jahr ver­stor­be­nen Vaters Fin­ger Dread, dessen Kon­ter­feit einen von den Wän­den anschaut, hat er an gegenüber des Queen The­atres einen Con­tain­er als Bücherei und Restau­rant ein­gerichtet.

Drumherum ein offen­er Space und kleine Stände mit aller­hand Herbs und Schmuck. Eine Treppe führt nach oben, wo eine Bar, eine weite Fläche für Pub­likum und eine Bühne unterge­bracht sind. Alles sehr liebevoll gestal­tet und in den panafrikanis­chen- und Reg­gae-Far­ben gestrichen. Ein Licht­blick in ein­er son­st eher tris­ten Umge­bung.

I Nation at Inner City Dub

I‑Nation Books & Neces­si­ties zieht nach wie vor mit aus­gewählten Büch­ern, die zu einem guten Teil nur bei ihm zu erwer­ben sind, von Event zu Event. Nun gibt es zusät­zlich einen fes­ten Spot und ein Reg­u­lar, das den Youths in den Inner Cities Zugang zu Black Lit­er­a­ture und eine Roots-Alter­na­tive bzw. Add On zu den Dance­hall-Ver­anstal­tun­gen bietet. Es soll nicht unser einziger Mon­tag dort bleiben. In den näch­sten bei­den Wochen treten u.a. Kar­bon, Medis­un und Yaad­core auf. I‑Nation hat immer schon junge Acts gefördert.

Zu einem gut besucht­en Reg­u­lar hat sich Tues­day Ser­vice gemausert. Jeden Dien­stagabend kom­men in einem Hin­ter­hof, dem Com­pound auf der Lancelot Avenue Musiken­thu­si­as­ten zusam­men. Wo früher nur geprobt wurde, kann die Öffentlichkeit nun teil­nehmen. Eröffnet wird der Ser­vice mit einem eige­nen Set der Haus­band Dub Squad, das gerne aus Cov­erver­sio­nen von Foun­da­tion Tunes und Dance­hall-Klas­sik­ern beste­ht. Im Anschluss treten Artists aus dem Pub­likum ans Mic.

Sein zwei­jährige Jubiläum feiert Tues­day Ser­vice im Ran­ny Williams Cen­ter, das wegen des Reg­gae Month gut gefüllt ist. Nach dem Dub Squad-Seg­ment per­for­men erst eine Rei­he unbekan­nte Artists, bevor Joby Jay, Rik Jam, Jah Lil, Imeru Tafari, Chris Malachi oder Agent Sas­co auf die Bühne gehen. Lei­der ist die Zeit zu knapp für Namen wie Valiant oder Dami­an Mar­ley, die man Back­stage erspähen kann. Let­ztlich überzeu­gen mich die Vibes der kleineren Venue mehr.

Das Dub­wise Cafe hin­ter dem Kaya Herb House an der Lady Mus­grave Road ist immer einen Besuch wert. Eine Art Food Court, der zum Chillen, Musik hören oder Plat­ten und Merch kaufen ein­lädt.

Dort ist Dut­ty Book­man nahezu täglich anzutr­e­f­fen, ein­er der intellek­tuellen Köpfe des Reg­gae Revival. Er betreibt eine Bar und mit Sat­ta Sam­stagabend ein gut besucht­es Roots-Reg­u­lar, bei dem auch Artists zum Mic greifen. Zwis­chen­durch legt er selb­st auf oder lässt z.B. Uncle Ron­nie vom 8 Mile Sound an die Turnta­bles.

Dub­wise Cafe präsen­tiert sich offen und schafft mit dem von der Kul­tur­ak­tivistin Car­leene Samuels ins Leben gerufe­nen Sound­check eine Brücke zu Dance­hall. Der 21-jährige Ayet­ian liefert, gebackt von der Dub Squad Band, eine zwar kurze, dafür aber inten­sive High-Energie-Per­for­mance mit Punk-Atti­tude.

An jedem ersten und drit­ten Don­ner­stag im Monat find­et in der Bar und Autowaschan­lage Bam­boo Splash am Bar­bi­can Square das holis­tis­che, con­scious Gath­er­ing I‑Frequency statt, kuratiert von ein­er weit­eren Kul­tur­ak­tivistin, Kareece Lawrence. Das Event schließt Well­ness, Essen, Lit­er­atur, Spir­i­tu­al­ität, Brain­food, Kun­st etc. mit ein – und natür­lich Musik.

An diesem Abend spricht Dr. Kadamawe Knife, eben­falls eine zen­trale Fig­ur für die Reg­gae Revival-Bewe­gung, u.a. über Ras­ta und Gan­ja. Junge, noch unbekan­nte Acts bekom­men danach die Gele­gen­heit, sich einem bre­it­en Pub­likum vorzustellen, bevor Rik Jam & Friends – darunter Dal­wayne, Eesah und Yeza – übernehmen. Als Selec­tor kann Rory Stonelove gewon­nen wer­den, der gemein­sam mit Pete und mir einen Leg­end Award für ”Out­stand­ing Ser­vice in Roots Reg­gae Music & Com­mu­ni­ty” ver­liehen bekommt, was uns über­rascht, aber auch gerührt hat.

Die Idee von I‑Frequency sei es, einen Soft Spot in der Stadt zu schaf­fen, an dem authen­tis­che jamaikanis­che Kul­tur auf inno­v­a­tive Weise erleb­bar wird und ein Pub­likum aus allen gesellschaftlichen Schicht­en zusam­menkommt. Genau­so habe ich es im Reg­gae Month erlebt. Zur Zeit gibt es eine kleine Pause, bevor das Event spätestens vor dem Som­mer zurück­kommt.

Reg­gae blickt auf eine lange Geschichte zurück, das schließt mit ein, dass seine Akteure älter sind und uns irgend­wann ver­lassen. So wie der beliebte Third Worl-Gitar­rist und Cel­list Stephen ”Cat” Coore, dessen Musi­cal Trib­ute im Ran­ny Williams Cen­tre bei vollem Haus began­gen wird.

Was mit einem Drum­set an die Ahnen und Vertretern der Alpha School Of Music begin­nt, wird mit Acts wie Wayne Mar­shall, Maxi Priest, Gramps Mor­gan, Tar­rus Riley und den Skatal­ites fort­ge­führt. Bevor die Kul­tur­min­is­terin Olivia ”Bab­sy” Grange den ”Jamaica Music Icon Award” für Cat Coore sein­er Witwe Lisa Coore übergibt.

Danach treten The New Third World auf, um ihr altes Mit­glied zu ehren, aber auch hoff­nungsvoll in die Zukun­ft zu blick­en u.a. mit Cats Sohn Shi­ah. Kumar Fyah, der in let­zter Zeit häu­fig mit Third World tourt, trägt den Rag­ing Fyah-Klas­sik­er ”Judge­ment Day” vor – in einem Tiger-Pullover als Homage an Cat, der auch John­ny Tiger genan­nt wurde. Danach rückt noch Dami­an Mar­ley an und per­formte die von ihm pro­duzierte Third World-Col­lab ”You’re Not The Only One”. Zum Schluss gesellt sich Brud­er Stephen dazu. Cat ist eh den ganzen Abend zuge­gen – spir­ituell und auf großer Lein­wand mit vie­len Erin­nerun­gen an wun­der­bare Tage.

Von der Ver­gan­gen­heit in die Zukun­ft mit Blick auf die Geschichte. Dafür geht es ins Sky­line Lev­els der umtriebi­gen McDon­ald-Fam­i­lie, wo Kami­la ein veg­anes Restau­rant betreibt, sich ein Stu­dio wie Prober­aum befind­et und auch Konz­erte oder beson­dere Events ihren Space haben. Let­zteres gilt für die zweite Auflage von Rid­dim Run­way, kuratiert von der jüng­sten McDon­ald-Tochter Kadiya. Ein ambi­tion­iertes, fresh­es Konzept, bei dem Fash­ion, Cul­ture und Per­for­mances ineinan­der­greifen.

Lila Iké at Rid­dim Run­way

Im Zen­trum drei ikonis­che Rid­dims: ”Roots­man” (Win­ta James), ”Joyride” (Dave Kel­ly), ”Diwali” (Lenky Mars­den). Das Beson­dere: Uni­ver­sal, der Brud­er von Chronixx, baut die Instru­men­tals live vor Pub­likum, gesan­glich begleit­et von Iba Mahr, Mod­en­schauen, Inline-Skatern und Skate­board­ern sowie einem Feuer­schluck­er vor unterge­hen­der Sonne und Wun­derk­erzen, die im Pub­likum verteilt wer­den (Diwali ist ein mehrtägiges hin­duis­tis­ches Lichter­fest).

Alles sehr dynamisch. Alles baut auf allem auf und fließt ineinan­der. Die zweite Rid­dim Run­way Edi­tion endet in ein­er Freestyle Ses­sion mit Runk­us als MC und jun­gen Acts wie Kxng Izem, Medis­un, Dahvid Slur, Haile Celes­tial, Imeru Tafari und seine jün­gere Schwest­er Tanzie.

Natür­lich gab es noch zahlre­iche weit­ere Ver­anstal­tun­gen, die ich auch gerne mitgenom­men hätte. Next time!

Next time!


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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Uwe Adelfang

    wow — sehr gelun­gen — die Shorts und Fotos .. als wäre man selb­st dabei 🙂

    Greet­ings — uwe

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