
Aza Lineage – Roots Daawta
Dub Rockers/VP Records – digital, Vinyl
Text: Volker Barsch
Aus der Kombination „junge, megatalentierte Roots-Sängerin & Veteran-Producer/Engineer“ sind einige der schönsten Reggae-Alben der 2010er und 2020er hervorgegangen, z.B. „New Name“ von Jah9 & Rory Stonelove (2013), „Unconquerebel von Hempress Sativa & Scientist (2017), „In the Midst of the Storm“ von Jah9 & Mad Professor (2017), „One Love Vibration“von Mo‘ Kalamity & Sly & Robbie (2018) „Windrush Baby“
von Aleighcia Scott & Rory Stonelove (2023) oder „Shine“ von Mo‘ Kalamity & Sidney Mills(2024).
Die Zusammenarbeit von Aza Lineage und King Jammy ist auch solch ein Glücksfall. In den letzten zehn Jahren hat die selbsternannte Rebel Daawta durch zahlreiche Live-Auftritte im Sound System-Style (u.a. bei der RIDDIM-Party im Roots-Center beim Summerjam), diverse hochkarätige Singles und eine spektakuläre Japan-Tournee viel Aufsehen erregt. Der unerschrocken-streetsmarten Kingstonian fehlte es auch nicht an Mut, sich ungefragt unter einen Mangobaum neben Jammys Headquarter in Waterhouse zu stellen und ihm ihre „Sound System“-Anthem vorzuträllern. Dabei soll sie laut Presseinfo nicht über den ersten Refrain hinausgekommen sein, weil der große Meister sie direkt ins Studio hereinwinkte, mit den Worten: „Yeah man, pull up, ya bad!!“
Auch wenn das überragende „Sound System“ auf dem legendären „Far East“-Riddim schon vor sieben Jahren herauskam, darf es natürlich nicht auf Azas Debüt-Album fehlen, ebensowenig wie das Smoker’s Delight „One Draw“ (2023) und das lieblich-beschwingte „Chikiwawawoi“ (2025), während die coole Jammys-Lobpreisung „Dancehall Dadda“ (2021) überraschenderweise nicht mit drauf ist.
Auch in allen anderen Tracks reitet Aza Lineage auf Jammys zeitlos frischen Roots‑, Early-Dancehall- und Rub-a-Dub-Riddims, als ob sie schon zu dessen Hoch-Zeit in den 80ern live dabei gewesen wäre. Neben „Rebels in Town“ und „Rule the Sound“, zwei weiteren hymnenhaften Smash-Tunes, sind vor allem die beiden Features hervorzuheben: die starke Dreier-Combi „No Vagabond“ mit Jesse Royal und Brandon Rootz sowie das überragende „A Rub-a-Dub or Two“ mit der lebenden Legende Johnny Osbourne.
Die zehn rootsigsten Nummern haben es auf die Vinyl-Ausgabe geschafft. Die digitale Version enthält darüber hinaus neben einem Lone-Ranger-Intro noch sechs weitere Tunes, die alle das Lovers-Segment beackern, mal im klassischen Singer-Modus wie in „Can’t Live For Yourself“, mal mit einem Rap‑R‘n’B‑Mix wie in „Love You Too Much“ oder mit wunderschön-souliger Kopfstimme wie im Refrain von „Baby“. Auch in diesen Liebesliedern bleiben Aza Lineage, King Jammy und die beteiligten Musiker (Andre „Spyda“ Dennis, I Sax, Brandon Rootz, Steely & Clevie, Sherida Sharp, Mitch Di Singa und Chinnas High Times Band) konstant im Flow, sodass „Rebel Daawta“ ein organisches Ganzes ergibt, egal, in welcher der beiden Ausgaben.
Einziger Kritikpunkt: Der Album-Mix von „Sound System“ wurde durch flachere Bässe und überflüssige Saxofon-Einlagen leicht geglättet, ganz so, als ob VP am Ende doch die Courage gefehlt hätte, die „Rebel Daawta“ mit einem zu rohen Roots-Sound zu präsentieren.
Abgesehen von diesem Detail ist Aza Lineage aber ein hervorragendes Album gelungen, sodass man sie spätestens jetzt in einem Atemzug mit anderen prominenten Roots-Queens wie Hempress Sativa, Lila Iké oder Jah9 nennen muss.
