
Marcus Gad — For All
Big Scoop Records – digital, Vinyl, CD
Text: Volker Barsch
Ganz am Anfang werden mit verschiedenen Instrumenten Naturgeräusche nachgeahmt, bevor ein gewaltiger Bass, Percussion und Schlagzeug, Offbeat-Gitarre, Bläser und schließlich der Gesang einsetzen: „Run come rally round, children…“ Willkommen in der Welt von Marcus Gad.
Auch das fünfte Album des Rastas aus Neukaledonien atmet Nachhaltigkeit, Community-Vibes, Spiritualität und Resilienz und geht damit auf maximale Distanz zu Babylons destruktiven Tendenzen.
Seit seiner letzten Veröffentlichung „Ready For Battle“ sind drei Jahre vergangen, in denen er sehr umtriebig war. Er tourte durch die Welt, performte in so unterschiedlichen Locations wie dem Rototom Sunsplash, dem Goa Sunsplash in Indien oder dem Germain-Comarmond-Stadion in Mauritius.
Dass er zwischendurch auch Vater wurde, könnte der Grund dafür sein, dass er nun noch mehr im Einklang mit sich und der Welt wirkt als ohnehin schon – hörbar in allen zwölf Tracks, v.a. im beruhigenden Titelsong, und bereits gut sichtbar auf dem Coverfoto, das ihn ganz entspannt, barfuß und mit nacktem Oberkörper, umgeben von Familie, Freunden und Natur in seiner neukaledonischen Heimat zeigt. Letzterer ist auch „Where Mi Come From“ gewidmet, das, wie das genauso gut flowende „Shine a Light“, bereits vorab veröffentlicht wurde.
Marcus Gads naturverbundene Insel-Identität richtet sich klar gegen die negativen Auswirkungen der Globalisierung und schlägt gleichzeitig selbst positive globale Wellen. Inspiriert vom Roots-Reggae der US-Virgin-Islands hat der Sänger seinen eigenen „Kanaky“-Sound entwickelt, der weltweit gehört wird und ihm u.a. auf der 11.000 Kilometer von Neukaledonien entfernten Insel Mauritius eine solide Fanbase beschert hat.
Kolonialgeschichte, Naturschutz und Heartbeat sind die verbindenden Elemente. Und Seelenverwandte finden sich überall. Eine davon ist die US-Virgin Islands-Roots-Queen Dezarie, die in der spektakulären Combi „Code“ gefeaturet wird. Darin prangern die beiden Rastas Babylons Manipulationen der Natur an und setzen ihnen klare Grenzen: „You cannot decode Jah code / Shall not decode Jah code / Will not decode Jah code / Access denied!“
Auch in allen anderen Tracks hinterlassen Marcus Gad, seine bewährte Tribe-Band und sein Lieblingsproduzent Clément „Tamal“ Thouard einen besonders fokussierten Eindruck und setzen so ihren gemeinsamen Weg mit einem weiteren hochgradig inspirierenden Album fort.

